Die Strahlung von Tschernobyl tötete nahezu eine Million Menschen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Redaktion   
Donnerstag, den 13. Mai 2010 um 10:05 Uhr

Wir dokumentieren eine Veröffentlichung des Environment-News-Service (ENS):

Ein am 26.4.2010, zum 24. Jahrestag der Tschernobyl-Reaktorkatastrophe von der &bdqou;New York Academy of Sciences“ veröffentlichtes Buch „Chernobyl: Consequences of the Catastrophe for People and the Environment“ [1] (Tschernobyl: Konsequenzen der Katastrophe für Menschen und Umwelt) erweitert und revidiert den bisherigen Kenntnisstand über die Folgen dieses Super-GAUs.

Die Wissenschaftler aus Minsk und Moskau berücksichtigten für ihre Untersuchung über 5000 Artikel und Studien, die mehrheitlich nur in slawischen Sprachen veröffentlicht wurden.

Die Autoren beziffern die bei dem GAU freigesetzte Radioaktivität mit 10 Milliarden Curie - mehrere hundert mal höher, als die Radioaktivität durch die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki.
In dem Buch wird eingehend auf unterschiedlichste Krankheitshäufigkeiten, Einflüsse auf Tiere und Pflanzen, die Verbreitung der Radioaktivität über die Nahrungsmittelproduktion, und die Folgen für andere Länder in Europa und USA recherchiert.
Beispielsweise ist der Anteil der gesunden Kinder von verstrahlten Eltern in Weissrussland, der Ukraine und des europäischen Teils Russlands seit 1986 von 80% auf unter 20% gefallen. Die Autoren schlussfolgern „Kein Bürger in irgendeinem Land kann sich vor radioaktiver Verseuchung sicher fühlen. Ein Nuklearreaktor kann den halben Globus verschmutzen. Der Fallout von Tschernobyl bedeckt die gesamte Nordhalbkugel / nördliche Hemisphäre.“

Ihre Ergebnisse stehen im Gegensatz zu Schätzungen der WHO (Weltgesundheitsorganisation) und der IAEA (Internationale Atomenergiebehörde), welche ursprünglich von nur 31 Todesfällen unter den „Liquidatoren“ ausgegangen sind. Als Liquidatoren werden jene etwa 830.000 Menschen bezeichnet, welche für die Brandlöschung und Versiegelung des Reaktors und für die Aufräumarbeiten nach der Katastrophe eingesetzt waren.
Auf Grundlage umfassender Quellen schätzen die Autoren, dass es infolge des radioaktiven Tschernobyl-Fallouts zwischen 1986 und 2004 weltweit zu 985.000 Todesfällen gekommen ist. Im Gegensatz dazu schätzten WHO und IAEA, dass an den Folgen von Tschernobyl bis zum Jahr 2005 etwa 9.000 Menschen gestorben und ungefähr 200.000 erkrankt seien.
Die Physikerin und Toxiologin Janette Sherman, die das Buch redigiert hat, erklärt: „An diesem 24. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe erkennen wir, dass die Folgen weit schlimmer sind, als viele Wissenschaftler bisher geglaubt haben.“

In einer Erklärung der New York Academy of Sciences heisst es:
“Die offiziellen Debatten der IAEA und anderer damit verbundener UN Behörden (e.g. die Tschernobyl Forum Berichte) haben die in osteuropäischer wissenschaftlicher Literatur veröffentlichten Berichte und Ergebnisse größtenteils heruntergespielt oder ignoriert. Folglich haben sie geirrt, indem sie diese Einschätzungen nicht berücksichtigt haben.“

[1] Chernobyl: Consequences of the Catastrophe for People and the Environment
Written by Alexey V. Yablokov (Center for Russian Environmental Policy, Moscow, Russia), Vassily B. Nesterenko, and Alexey V. Nesterenko (Institute of Radiation Safety, Minsk, Belarus). Consulting Editor Janette D. Sherman-Nevinger (Environmental Institute, Western Michigan University, Kalamazoo, Michigan).
Volume 1181, December 2009
335 Pages

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