Umweltpolitik
Bildreport
Neuste Beiträge
Neue Downloads
S 21 ist überall
Film der Regionalgruppe Böblingen-Stuttgart
| Auflehnung gegen Atomenergie in Japan |
|
|
|
| Geschrieben von: Redaktion |
| Donnerstag, den 21. Juli 2011 um 19:48 Uhr |
|
Vier Monate nach der Katastrophe in Fukushima ist in den deutschen Medien längst wieder Ruhe eingekehrt um die Situation in Japan. Doch die mangelnde Berichterstattung spiegelt die Situation des Inselstaats kaum wieder – weder die noch immer unkontrollierte Situation der Reaktoren in Fukushima noch die mehr und mehr Zulauf erhaltenden Proteste in Japan werden entsprechend thematisiert. Ein Problem, das auch in Japan besteht, denn die Journalisten arbeiten in Japan häufig sehr eng mit Wirtschaft und Regierung zusammen, so dass eine unabhängige Berichterstattung kaum gewährleistet ist. Nur ein Bruchteil der Journalisten ist freischaffend und damit unabhängig von der Nachrichtenpolitik, die von der japanischen Regierung gestattet wird. Meldungen kursieren, dass die japanische Regierung Internetprovider dazu aufruft „falsche Nachrichten“ aus dem Netz zu nehmen. Demonstranten werden von Polizisten schikaniert, tagelang in Untersuchungshaft genommen, Wohnungen werden durchsucht um die Menschen einzuschüchtern. Dabei scheint nun endlich der Punkt erreicht, an dem sich die japanische Bevölkerung gegen die Bevormundung durch Regierung und Wirtschaft auflehnt – man spricht von mehr als 65.000 Menschen, die allein am 11. Juni 2011, drei Monate nach dem Erdbeben, in vielen Japanischen Städten demonstrierten. Angesichts der sonst üblichen Zurückhaltung der japanischen Bevölkerung, die in der Vergangenheit ein tiefes Vertrauen in Regierungsmitteilungen gelegt hat, lässt diese Reaktion auf die rücksichtslosen Machenschaften der Regierung zusammen mit der AKW‐Betreiberfirma TEPCO und auf die Verunsicherung und Verärgerung der Bevölkerung schließen. Doch die Menschen in Japan nehmen das Ruder nun scheinbar selbst in die Hand: Es gibt eine regelrechte Bewegung zur Organisation eigener Strahlenmessungen, die teils durch die Kommunen, teils durch Bürgerbewegungen organisiert werden. So wurden in der Millionenstadt Chiba an 100 verschiedenen Standorten Daten erhoben, die bis zu sieben mal so hohe Werte zeigten, wie die amtliche Messung mit 0,08 μSievert pro Stunde lag. Auch in der Großstadt Fukushima und in Date, beide Städte etwa 60 bis 70 km vom Unglücksmeiler entfernt, wurden bei kommunalen Messungen wesentlich höhere Strahlungswerte gemessen als durch die Regierung. In Fukushima beliefen sie sich auf 10 bis 20 μSievert die Stunde und kommen in ihrer Größenordnung den Werten der Sperrzone in Tschernobyl mit 16 μSievert pro Stunde gleich. Dennoch will die Regierung die Evakuierungszone nicht ausweiten, sondern empfiehlt „individuelle Evakuierungen“. Durch das fahrlässige Verhalten der Behörden wurde das japanische Vertrauen in die eigene Regierung stark erschüttert, so dass sich der Widerstand gegen die staatliche Veröffentlichungspolitik stärkt. Die amtlich bekanntgegebene Hochstufung der Höchstgrenze für Schulkinder auf 3,8 μSievert pro Stunde wurde in vielen Kommunen nicht anerkannt und dem entgegen eigene, niedrigere Grenzwerte festgesetzt. Lokal finden immer mehr Menschen zusammen, die sich in Eigeninitiative um Aufklärung der Strahlungsintensität bemühen, mehr und mehr Informationsveranstaltungen zu den medizinischen Folgen der Verstrahlung werden organisiert. Die Auflehnung der Bevölkerung zieht mittlerweile weite Kreise, sodass Anfang Juli im führenden Wirtschaftsjournal Japans „Toyo Keizai“ ein Beitrag von Nishio Masamichi, dem Direktor des Krebszentrums Hokkkaido, erschien, der Überblick über Versäumnisse und Verschulden der Regierung und Tepcos im Laufe der Reaktorkatastrophe gibt. Besonders kritisiert werden die medizinisch fragwürdige Hochsetzung der Strahlenbelastungsgrenzwerte, das absichtliche Zurückhalten und Verfälschen von Strahlenwerten und die damit einhergehende vermeidbare Strahlungsexposition von Arbeitern und Bevölkerung, das bewusste „Verheizen“ von Arbeitskräften im AKW Fukushima und das Abwiegeln der gesundheitlichen Folgeschäden bei Kurz‐ und Langzeitexposition. Das Risikobewusstsein gegenüber der Nutzung von Atomkraft hat sich in Japan während der letzten Monate stark verändert, dieser Wandel ist noch nicht abgeschlossen und es bleibt abzuwarten, welche Früchte die Diskussion um den Atomausstieg in Japan noch tragen wird. Immerhin hat Japans‘ Premierminister Naoto Kan am 14.7.2011 bekanntgegeben, dass Japan aus der Atomenergie aussteigen wolle. Quellen:
|


Bestellung: Jörg Irion, T: 030/6232988, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.







