Erfolgreiche Solidarität mit dem Widerstand russischer Umweltschützer gegen den Nukleartransport von Ahaus nach Majak PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Grünwald   
Dienstag, den 07. Dezember 2010 um 18:05 Uhr

Der Versuch, abgebrannte Brennstäbe aus deutschen Atomreaktoren bis ins russische Majak transportieren zu wollen, ist ein Skandal und ein Verbrechen. Offenbar denkt die Bundesregierung, dass Majak als die atomar verseuchte Todeszone noch weiter strahlenbelastet werden kann. Schon jetzt leidet die Bevölkerung dort unter einer sehr hohen Rate an Krebserkrankungen, Missbildungen bei Neugeborenen und anderen Folgen. Aus dem atomar verseuchten Fluss Tetscha mussten mehr als 120.000 Menschen ihr Trinkwasser beziehen. Jahrzehntelang wurde hier Atommüll abgelagert. 1967 trocknete ein heißer Sommer den mit Atommüll voll gekippten Karatschaj-See aus, sodass eine radioaktive Staubwolke erneut 41.000 Quadratkilometer verseuchte.

In zahlreichen Ländern, auch in Deutschland entwickelt sich gegenwärtig ein Proteststurm gegen den geplanten Transport von 6 Castorbehältern von Ahaus in das Gebiet von Majak. Die Bürgerbewegung für Kryo-Recycling, Kreislaufwirtschaft und Klimaschutz hatte sich in einem Brief an Frau Natalia Mironova solidarisch erklärt und mitgeteilt, dass sie entschieden den Widerstand unterstützen wird.

Daraufhin erhielten wir von den russischen Umweltaktivisten den folgenden Antwortbrief:

„Herzlichen Dank für die Solidarität Eurer Bürgerbewegung. Gegenwärtig stehen bereits 130 Organisationen aus 12 Ländern auf der Unterstützerliste unseres Offenen Appells: Organisationen aus Russland, Deutschland, USA, Norwegen, Frankreich, Japan, Litauen, Finnland, Schweden, Belarus, Kasachstan, und Polen. Außerdem haben 40 Einzelpersonen aus denselben Ländern und aus den Niederlanden, sowie aus Australien unterschrieben.
Wir schickten Ende letzter Woche Ihren Brief auch an Frau Bundeskanzlerin Merkel, an die Präsidenten Medwedew und Obama, sowie an den Generalsekretär Amano von der IAEA (Internationale Atomenergiebehörde). Wir werden persönliche Treffen mit offiziellen Vertretern aus Deutschland und den USA haben, bei denen wir Ihr Solidaritätsschreiben überreichen werden. Wir danken Ihnen und dem deutschen Volk für sein Umweltbewusstsein, für die Selbstorganisation und die Aktionen.
Sie tun das für den ganzen Planeten, und dies ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt für alle Länder eine große nationale Aufgabe. Wir schicken unsere Solidarität für Ihre Demonstration am 4.Dezember.
Wir müssen in dieser Sache gewinnen, für eine Zukunft des Umweltschutzes in allen Ländern.
Einen großen Dank.
Natalia I. Mironava, Institut für Politikwissenschaft und Recht, Präsidentin der Bewegung für Nukleare Sicherheit, Chelyabinsk"

Bei dieser Gelegenheit konnten wir über die Unterstützerliste auch einen kleinen Einblick bekommen, dass es in Russland und den angrenzenden Staaten eine Vielzahl verschiedenartiger Umweltorganisationen gibt. So haben sich z.B. solidarisch erklärt: das Zentrum für Ökologie und Menschenrechte „Bellona“, St. Petersburg; die Umweltgruppe „Natur und Jugend“, Murmansk; die „Ökologische Wache am Nordkaukasus“ (Majkop); der Rat MOD „Bewegung gegen Krebs“, Tscheljabinsk; die Initiativgruppe „für grüne Energie; Gebiet Kostroma; unterzeichnet haben auch die „Soldatenmütter des Gebietes Kostroma und andere.

Die Bürgerbewegung hat daraufhin Frau Mironova und ihre russischen Mitstreiter der Umweltbewegung auch herzlich eingeladen zum 2. internationalen Umweltratschlag am 8./9. Oktober.

Letzte Meldung vom 6.12.2010:

Heute Morgen hat Umweltminister Röttgen klein beigegeben und den Castortransport nach Majak abgesagt. Das ist ein großer Erfolg der Anti-Atom-Bewegung. Die Entscheidung sei „zunächst endgültig“.Damit hält er sich allerdings für zukünftig eine Hintertüre offen, später den Transport nochmals zu prüfen.
Allein in Deutschland hatten 40.000 Menschen ihren Protest gezeigt und den Appell an Röttgen unterschrieben. Der breite internationale Gegenwind war ein Riesenerfolg.

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