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| Geschrieben von: Prof. Adelaide Chichorro Ferreira |
| Mittwoch, den 02. Februar 2005 um 21:11 Uhr |
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Übersetzung ins Deutsche des Artikels von Adelaide Chichorro Ferreira "A outra lição de Gelsenkirchen" Adelaide Chichorro Ferreir ist Professorin der Fakultät für Sprachen an der Universität Coimbra, Portugal In Coimbra wird erneut von (Gemischt-)Verbrennung [des Abfalls] geredet, wenn auch durch eine allseits bekannte Person. Was wird uns das kosten? Die Kosten sind die Gesundheit von Menschen und die Glaubwürdigkeit jener Politiker, die scheinbar nur für dieses Themas leben, als ob sonst nichts zu tun wäre in Portugal als Fussball spielen und produzieren, Müll einführen und verbrennen, städtischen, normalen und giftigen. Von da kommt jene kleine, langsame, „geringe" Giftigkeit (weil in den Reden als ‚normal' dargestellt), die tötet und verletzt, nach 40 Jahren oder früher, durch Krebs oder andere „zivilisatorische" Leiden. Was soll man also tun? Um unserer gemeinsamen Zukunft willen können wir uns nicht den Luxus erlauben, strikt nach der Regel (oder Ausrede?) des Sokrates zu leben: „Ich weiss, dass ich nichts weiss." Ich weiss nicht alles, aber ich weiss, dass ich einiges weiss, also lasse ich daran teilhaben, so wie jetzt. Am 25. April 2003 fand in Gelsenkirchen, jener Stadt des letzten Finales der Champions-Leage, eine Tagung statt, die man in den portugiesischen Medien nicht zur Kenntnis genommen hat. Ein Jahr später, am 20. April dieses Jahres, holte die Bewegung „Auf Gelsenkirchen" erneut verschiedene umweltbewegte Aktivisten zusammen mit der Absicht, in den darauffolgenden Tagen bis zum 1. Mai die Technologie des Cryo-Recycling bekanntzumachen, die sich damit beschäftigt, das durch die Reststoffe der häuslichen Abfälle geschaffene Problem zu lösen (in Deutschland zum grossen Teil aus Plastik bestehend). Bis heute wurden diese Stoffe verbrannt oder auf Müllkippen gebracht, mit allen ökonomischen, sozialen und gesundheitlichen Folgen, die uns wohlbekannt sind. Man hört immer wieder, dass bestimmte harte Kunststoffe, wie z.B. aus Computern, nicht mit Erfolg wiedergewonnen werden könnten, doch diese Technologie wiederlegt das: Ein Video und eine Broschüre stellen sie vor, eine Technologie mit dem letztendlichen Ziel, zur Schliessung der bestehenden Müllverbrennungsanlagen und dem Planungsstop der vorgesehenen beizutragen, ähnlich wie kürzlich jene Vereinigung für die „moderne" Technologie der „Thermoselect"-Pyrrolyse (in Ansbach und Karlsruhe). Eine der deutschen Persönlichkeiten in dieser Bewegung ist ein Toxikologe, der weltweit an vorderster Front im Kampf gegen die Dioxine steht, den Reststoffen, die Personen im Zusammenhang mit seiner Studiengruppe an der Universität Kiel (die übrigens von Schliessung bedroht ist) bahnbrechend studiert haben: Professor Otmar Wassermann. Eine andere dieser Persönlichkeiten, der Arzt und Professor an der Universität Düsseldorf, Harry Rosin, ist der Erfinder der Technologie, die es ermöglicht hat, Kühlgase frei von CFC herzustellen (die Chlorfluorkohlenstoff-Verbindungen, die wie man weiss, die Hauptverantwortlichen für die Zerstörung der Ozonschicht sind). Diese Technologie wurde inzwischen von der grossen Mehrheit der internationalen Konzerne für Kühlgase verwendet. Für diese Verdienste wurden Herrn Professor Harry Rosin kürzlich internationale Ehren verliehen, so wie auch das Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Es waren also keineswegs unwichtige Personen, die in Gelsenkirchen zu wissenschaftlich-technologischen Debatten, und nicht für den Fussball, zusammenkamen. Nichts von alledem hörte man allerdings auf der Parlamentsdebatte zu Wissenschaft und Innovation im portugiesischen Parlament am 26. Mai 2004. Sie fand statt am gleichen Tag, als der Ex-Ministerpräsident Durão Barroso und verschiedenen portugiesische Abgeordnete nach Gelsenkirchen in Deutschland reisten, um dem Finale der Champions-Leage beizuwohnen. Durão Barroso ging sogar soweit, einen Termin im Zusammenhang mit einer Ehrung des [portugiesischen Literatur-] Nobelpreisträgers José Samargo abzusagen, um dem Sieg des F.C. Porto in Gelsenkirchen sehen zu können. Am selben Tag, als dies stattfand, stand in einer Zeitung aus der Stadt Köln, nicht weit von Gelsenkirchen, (wo seit 2002 ein Korruptionsfall untersucht wird im Zusammenhang mit Parteifinanzen und den Bau der örtlichen Müllverbrennungsanlage), ein Artikel über eine ganze Seite, dass enorme Mengen von italienischem Müll regelmässig über bis zu 1.800 km nach Deutschland gebracht werden, wo die Verbrennungsanlagen ‚rentierlich' gemacht werden müssten. So müssen die Deutschen, bekannt für ihre getrennte Müllerfassung, den Frosch schlucken, sich als Empfänger italienischen Mülls zu sehen, anscheinend mit grossen Anteilen von Textilien. Aber kehren wir zurück zu jener Tagung in Gelsenkirchen. In Entwicklung seit fast 10 Jahren, erscheint die Technologie des Cryo-Recycling heute fertig für die Anwendung in industriellem Maßstab, aber dazu muss gegen die enorme Kraft der Lobby angegangen werden, die versucht in allen Fällen die Verbrennung in den unterschiedlichsten bekannten Formen durchzudrücken. Dass das nicht leicht ist, wird schon aus der Tasache klar, dass Professor Harry Rosin, der Erfinder der Technologie, schon den verschiedensten Versuchen ausgesetzt war, ihn zum Verstummen zu bringen und seine Mitarbeiter solchen, sie zu entlassen. Aber nun erklären wir der Reihe nach, um was es sich handelt. Das Cryo-Recycling beruht auf ähnlichen Prinzipien, wie sie früher entwickelt wurden, um die CFC aus den Kühlgasen zu verbannen. Gemischte Kunststoff-Abfälle werden, ohne hohe Operationskosten, abgekühlt, was sie spöde macht und zugänglich zum Zermahlen in kleine Stücke. Als solche können sie dann leicht dem Separieren der verschiedenen Arten von Kunststoffen zugeführt werden, was Voraussetzung ist, um sie wiederverwenden zu können. Die schon verwendete Methode, Kunststoff-Verpackungen wiederzuverwenden, indem man sie in synthetische Fasern umwandelt, die zur Herstellung von Kleidung verwendet werden, die dann wiederum nach einer Saison erneut in den Müll wandert, ist nichts weiter als das Problem aufschieben (ein Prozess, der in Portugal im Moment tatsächlich auf einen geringen Anteil der Kunststoff-Abfälle angewandt wird). Trotzdem ist das besser als gar nichts, denn das ist genau, was bisher und weiterhin mit dem grössten Teil der Kunststoff-Verpackungen passiert, die in Portugal anfallen, nicht zu reden von all den anderen Kunststoff-Anwendungen. Die effiziente Trennung der verschiedenen Kunststoff-Materialflüsse nach dem Gebrauch, mit geringen Kosten ermöglicht durch das Cryo-Recycling, ermöglicht das Vorliegen eines Rohstoffes, der grösstmögliche Ähnlichkeit mit dem originalen hat, was der Rückgewinnung und Wiederverwendung Rentabilität garantiert. Angesichts der ständig sich verschlechternden Aussichten eines unwiderruflichen Steigens des Ölpreises und der weltweit unkontrollierten Klimaveränderung ist die Abfall-Verhinderung und die Abfall-Wiedergewinnung heute moralisch geboten. Auf diesem Gebiet darf es kein „Alles zusammenwerfen und und auf Gott vertrauen" geben! Das ist ausserst gefährlich. Wir können nicht zu Hause den Müll trennen einfach nur als Alibi dafür, dass er danach gemeinsam verbrannt oder auf Deponien gelagert wird. Darum müssen sich hier „die Geister scheiden" in Bezug auf jene Kampagnen für Müllverwertung, denen wir intensiv ausgesetzt sind: Wie kann man wirkliches Interesse an der Wiederverwertung haben, wenn man vom Verbrennen von Müll lebt? Mich wird man erst wieder aus einem Plastik-Becher Kaffee trinken sehen, im Professorenzimmer der Fakultät für Sprachen an der Universität Coimbra, wenn ich sicher sein kann, dass alles Mögliche getan wird, um den grössten Teil der Abfälle wiederzuverwerten. Bis dahin wird mein kleiner persönlicher Becher (handgemalt mit meinem Namen von einer Freundin) ein Zeichen des zivilen Widerstandes sein gegen den Wegwerf-Fundamentalismus, der uns allenthalben immer mehr umgibt. Die soziale Bewegung, die sich in Gelsenkirchen traf, hat vor sich als Netzwerk zu organisieren und den Rahmen des Umwelt-Aktivismus zu verlassen, der üblicherweise nicht allzu viele Anhänger findet. Teilweise auch, weil viel technisches Wissen und eine erhöhte Ausdauer beim Verfolgen von verwobenen und komplexen Sachverhalten notwendig sind, auch aus der sozio-ökonomischen Sicht. Es existieren schon Verbindungen zu einer Reihe anderer Städte in Deutschland. In Gelsenkirchen verbanden sich mit den Aktivisten einige Gewerkschafter und Vertreterinnen einer Frauenbewegung, was angesichts der Umstände nicht verwundert: In Gelsenkirchen, traditionell verbunden mit dem Abbau von Rohstoffen, liegt die Arbeitslosenquote offiziell bei 20% der Bevölkerung (und nicht-offiziell noch höher) aufgrund der Strukturveränderungen, die in den letzten Jahren stattfanden. Deshalb wurde die Forderung nach einer Pilot-Anlage des Cryo-Recyclings in Gelsenkirchen aufgestellt, was kaum einer von denen weiss, die von Gelsenkirchen nur wegen des Fussballs etwas wissen wollten, eine unverzichtbare Forderung für diese Stadt im Sinne der Schaffung industrieller Arbeitsplätze. In Portugal, wo die Menschen sagen, sie würden sich um die Zukunft der Familien und der jungen Generation sorgen, sollten wir diesen Tatsachen höchste Aufmerksamkeit widmen. Denn es sind eben jene zukünftigen Generationen, die am meisten bedroht sind durch Hormon-De-Regulatoren wie die Dioxine, die bei der Verbrennung frei werden. Gar nicht zu reden von der ganzen Serie anderer luftverschmutzender Stoffe, wie die verschiedenen Schwermetalle, die durch die Müllverbrennung in Form feinster Partikel ausgestossen werden, die selbst durch die teuersten Filter der Verbrennungsanlagen nicht zurückgehalten werden können - und die - unter uns gesagt, darauf weist alles hin, nicht einmal genügend exakt bestimmt werden. Um dies zu belegen, sei nur auf die immer wieder hinausgeschobene epidemiologische Studie der Bevölkerung von Souselas hingewiesen, die, soweit ich weiss, bis heute nicht angegangen wurde. Aus allen diesen Gründen ist es notwendig, für unsere Kinder und für die Kinder der Champions-Leage-Sieger - dass wir in Portugal die andere Lehre aus Gelsenkirchen nicht ignorieren. |





