Diskussion in Gelsenkirchen am 20.01.2008: Perspektiven einer organisierten Umweltbewegung PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Monika Gärtner-Engel   
Montag, den 21. Januar 2008 um 18:06 Uhr

Besucherinnen und Besucher aus 10 Städten von Umweltinitiativen und -organisationen, Kommunalwahlbündnissen, ÖDP und MLPD waren der Einladung der „Bürgerbewegung für Kryo-Recycling und Kreislaufwirtschaft" nach Gelsenkirchen gefolgt. Auf der Tagesordnung stand die Frage: Wie kann die Kluft zwischen dramatisch verschärfter Gefahr einer globalen Umweltkatastrophe und wachsendem Umweltbewusstsein einerseits und den unzureichenden dauerhaften Organisationsformen einer kämpferischen, vernetzten, international gemeinsam arbeitenden Umweltbewegung andererseits gelöst werden?

Deutlich wurde die Vielfalt und Breite der Themen der neuen Umweltbewegung in lebhaften Berichten über den Müll-Kampf in Neapel, die italienische und deutsche Müll-Mafia, den Einsatz gegen Kohlekraftwerke, Müllverbrennung, die Verharmlosung der Umweltproblematik durch die Klimaskeptiker, Öko-Betrug wie Umweltzonen im Ruhrgebiet usw.

Deutlich wurde auch u.a. vom Bericht des Klima- und Umweltbündnisses (KUS) aus Stuttgart, wie wirkungsvoll ein solches Bündnis entsteht und sich festigt, wenn respektvoll, zum gegenseitigen Nutzen und in Bündelung der vielfältigen Kompetenzen sachbezogen zusammen gearbeitet wird. Kritisch wurde erörtert, dass viele Umweltinitiativen - so schnell und kämpferisch sie an verschiedenen Fragen entstehen - genauso schnell wieder in sich zusammen fallen, wenn ihr konkretes Anliegen gelöst oder auch gescheitert ist oder scheint. Wie können solche Initiativen höher entwickelt werden als Bestandteil des dauerhaften Kampfs zur Rettung der Umwelt vor der Vernichtung der Lebensgrundlagen der Menschheit? Auf diese Frage gibt es keine schnellen und einfachen Antworten. Aber: Eine solche Bewegung kann nur aus Basisarbeit entstehen - konkrete, verständliche und überzeugende Argumente und Aktivitäten werden gebraucht, Vertrauen muss sich bilden und man muss sich Zeit nehmen, die gemeinsamen Erfahrungen auszuwerten und Schlüsse zu ziehen.

Dazu schlug die „Bürgerbewegung ..." eine perspektivische Planung bis 2009 vor, der sich in einem abschließenden Meinungsbild alle Anwesenden anschlossen: Am Pfingstsamstag 2008 soll die bereits traditionelle Umwelttagung stattfinden. Neben einer Grundsatzdiskussion zur Bedeutung der Kreislaufwirtschaft und neuer wissenschaftlicher Aspekte dazu sollen am Nachmittag Arbeitsgruppen und ein Plenum zu verschiedenen Facetten des umweltpolitischen aktiven Widerstandes stattfinden.

Weiterhin wird angestrebt, dass sich an mindestens 50 Orten am Weltklimatag, dem 08.12.08, örtliche Umweltbündnisse bilden, die gemeinsam und basisbezogen unübersehbare und unüberhörbare Aktivitäten entwickeln. All diese Erfahrungen sollen ausgewertet werden auf einem umweltpolitischen Ratschlag 2009 in Verbindung mit einer Messe für Hersteller von Umweltprodukten/-technologien, aber auch -initiativen. Zur UNO-Klimakonferenz vom 30.11. bis 11.12.09 in Kopenhagen sollen dann international vernetzte Aktivitäten entwickelt werden. Einmütigkeit herrschte nach lebhafter Diskussion unter allen TeilnehmerInnen, diese Planung auch zu ihrer Sache zu machen, sie zu unterstützen und bereits die Pfingstumwelttagung gemeinsam durchzuführen.

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