Wir brauchen ein klima- und umwelttaugliches Verkehrswesen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Redaktion   
Sonntag, den 22. März 2009 um 21:21 Uhr

"Die Notwendigkeit, ein klima- und umwelttaugliches Verkehrswesen aufzubauen, spielt in der Debatte um die Zukunft der Autoindustrie überhaupt keine Rolle." kritisiert Prof. Dr. Christian Jooß, Vorsitzender der Bürgerbewegung für Kryo-Recycling, Kreislaufwirtschaft und Klimaschutz e.V. Dabei ist klar, dass unser auf den Automobilverkehr ausgerichtetes Verkehrswesen erheblich zur Zerstörung des Klimas beiträgt und die Gesundheit der Menschen durch Feinstaub, Lärm und Abgase stark belastet. Mitte der 1960er Jahre gab es in Deutschland 11 Mio. Fahrzeuge. Inzwischen sind es 55 Mio. Der Verkehr in Deutschland emittiert jährlich 170 Mio. t CO2. Weltweit beträgt der Anteil des Verkehrs an den CO2-Emissionen 20 %. Der Transport von Personen und Gütern hat 2008 in Deutschland 4.500 Menschen das Leben gekostet. 407.000 Personen wurden verletzt. Riesige Summen Steuergelder müssen aufgebracht werden, um zerstörte Straßen wieder zu reparieren. Der Straßenbau verbraucht große Flächen der Natur.

Eine Neuausrichtung der Verkehrspolitik muss vor allem folgende Ziele in den Mittelpunkt stellen:

  1. Die Autohersteller müssen klare Vorgaben erhalten, nur noch Fahrzeuge zu bauen, die keine Schadstoffe emittieren und deren Komponenten komplett wieder verwertet werden können. Die Vergeudung von Rohstoffen nur aus kurzfristigen Profitinteressen muss ein Ende haben.
  2. Dem Schienenverkehr muss völlige Priorität eingeräumt werden. Alle Pläne, die Deutsche Bahn zu privatisieren, sind zu den Akten zu legen. Mit jährlichen Investitionen von 15 Mrd. € zur Verbesserung der Bahninfrastruktur müssen die Kapazitäten für einen umfassenden Gütertransport aufgebaut werden.
  3. Das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs muss durch bessere Taktzeiten und die Einführung des Nulltarif im Personenverkehr verbessert werden. Der weitere Ausbau vor allem des Schienenverkehrs in die Fläche ist notwendig, damit möglichst viele Menschen unabhängig von einem PKW zur Arbeit kommen oder ihren kulturellen Interessen nachkommen können.

"Am Beispiel Verkehrspolitik", so Prof. Dr. Jooß, "wird deutlich, wie kurzsichtig und unsinnig die Behauptung ist, in der Wirtschaftkrise müsse man wegen der Arbeitsplätze den Klimaschutz hinten anstellen. Es ist genau anders herum. Um die dringend notwendigen Maßnahmen zum Umwelt- und Klimaschutz verwirklichen zu können, sind viele neue Arbeitsplätze notwendig. Die Produktion von Autos ohne Schadstoffemissionen auf der Basis von Elektroantrieben und die breite Einführung von erneuerbaren Energien wären wirkliche Zukunftsinvestitionen, die eine Verbesserung der Lebensqualität bedeuten. Der Konkurrenzkampf zwischen den Autoherstellern, wer die Absatzkrise am besten übersteht, wird dagegen auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen. Am Ende werden Zehntausende Arbeiter und Angestellte ihren Arbeitsplatz aus engstirnigem Gewinnstreben der Aktiengesellschaften und Banken verloren haben. Überkommene und umweltzerstörende Techniken werden damit zementiert, anstatt neue fortschrittliche Produktivkräfte breit einzuführen."

[ Zurück ]